Lust auf Sommer

Kleine Sammlung, passend zur Jahreszeit

 

Lust auf Sommer? In diesem Jahr nicht? Doch, jetzt gerade, und das Immunsystem wird auch gestärkt durch Freude und stilles Vergnügen.

Der Sommer ist gefühlt für viele die schönste Jahreszeit. Traditionell hat man Urlaub. Von der ursprünglichen Bedeutung her hat das mit „Erlaubnis“ zu tun, die Erlaubnis, sich von seinen Pflichten bei Hofe entfernen zu dürfen für persönliche Belange.

Die Tage sind lang, die Abende laden ein, draußen zu sein und in Gesellschaft.

In der Natur wächst und reift es. Es ist die Zeit der Rosen, der Romantik und großer Lebensfreude.

 

Die Hitze gab es auch immer schon. Hier wird sie beschrieben, und genießende Mattigkeit...

 

Die große Sonne ist versprüht,
der Sommerabend liegt im Fieber,
und seine heiße Wange glüht.
Jach seufzt er auf: "Ich möchte lieber ..."
Und wieder dann: "Ich bin so müd …" (1)

 

Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.

Sie war doch sonst ein wildes Blut
Nun geht sie tief in Sinnen,
Trägt in der Hand den Sommerhut
Und duldet still der Sonne Glut
Und weiß nicht, was beginnen.
(2)

 

 

Aber es gibt auch Auftrieb, Elan:

 

Guter Rat

 

An einem Sommermorgen
da nimm den Wanderstab,
es fallen deine Sorgen
wie Nebel von dir ab.

Des Himmels heitre Bläue
lacht dir ins Herz hinein
und schließt, wie Gottes Treue,
mit seinem Dach dich ein.

 

Dies sind zwei Strophen von vier. Von wem? (3)

In der vierten Strophe fehlt natürlich nicht der andere Sommervogel: die Lerche...

 

Selbst die Fische sind im Rausch:

 

Es war ein solcher Vormittag,
wo man die Fische singen hörte;
kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte,
kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.

 

Nur sie, die Fische, brachen leis
der weit und breiten Stille Siegel
und sangen millionenweis'
dicht unter dem durchsonnten Spiegel. (4)

 

 

Und so lebt es sich gern:

Wie freu`ich mich der Sommerwonne,

...

Die Welt ist mein, ich fühl es wieder:

Wer wollte sich nicht ihrer freu`n,

...

Da wo ich bin, da bin ich gerne,
Denn meine Heimat ist mein Herz. (5)

 

 

Im folgenden wird es jemand zu öde, immer das gleiche, oder ?

Der Winter ging, der Sommer kam,
er bringt aufs Neue wieder
den viel beliebten Wunderkram
der Blumen und der Lieder.

Wie das so wechselt Jahr um Jahr,
betracht ich fast mit Sorgen.
Was lebte, starb, was ist, es war,
und heute wird zu morgen.

Stets muss die Bildnerin Natur
den alten Ton benutzen
im Haus und Garten, Wald und Flur
zu ihren neuen Skizzen. (6)

 



Gleichmut ist angesagt:


Und blüht der Weizen, so reift er auch,
das ist immer so ein alter Brauch.
Und schlägt der Hagel die Ernte nieder,
übers andere Jahr trägt der Boden wieder. (7)

 

aber er kann´s auch schwärmerisch:

 

Wie liegt die Welt so frisch und tauig
vor mir im Morgensonnenschein.
Entzückt vom hohen Hügel schau ich
ins grüne Tal hinein.


Mit allen Kreaturen bin ich
in schönster Seelenharmonie.
Wir sind verwandt, ich fühl es innig,
und eben darum lieb ich sie. (8)

 



Und dieses kommt uns doch bekannt vor:
Und wird auch mal der Himmel grauer;
wer voll Vertrau'n die Welt besieht,
den freut es, wenn ein Regenschauer
mit Sturm und Blitz vorüberzieht. (8)

 

 

 

Hier noch ein Gemälde wie von einem Worpsweder Maler:

 

Es ist so still; die Heide liegt
Im warmen Mittagssonnenstrahle,
Ein rosenroter Schimmer fliegt
Um ihre alten Gräbermale;
Die Kräuter blühn; der Heideduft
Steigt in die blaue Sommerluft.

Laufkäfer hasten durch's Gesträuch
In ihren goldnen Panzerröckchen,
Die Bienen hängen Zweig um Zweig
Sich an der Edelheide Glöckchen;
Die Vögel schwirren aus dem Kraut -
Die Luft ist voller Lerchenlaut.

Ein halbverfallen' niedrig' Haus
Steht einsam hier und sennbeschienen
Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
Sein Junge auf dem Stein davor
Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.

Kaum zittert durch die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten
Dem Alten fällt die Wimper zu,
Er träumt von seinen Honigernten.
— Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit. (9)



zum Schluss kommt nicht Sven Plöger zu Wort, aber die Frage ist erlaubt:

Wo holt sich die Erde die himmlischen Kleider? 


Beim Wettermacher, beim Wolkenschneider.
Sie braucht keine eitlen Samte und Seiden, 
sie nimmt, was er hat, und trägt froh und bescheiden 
das Regenschwere, das Flockenleichte, 
das Schattenscheckige, Sonngebleichte, 
das Mondgewobne und Sternbestickte, 
das Windzerrissene, Laubgeflickte, 
das Gockelrote, das Igelgraue, 
das Ährengelbe, das Pflaumenblaue, 
das Gräserkühle, das Nesselheiße, 
das Hasenbraune, das Schwanenweiße -
und schlendert die Jahre hinauf und hinunter:
je schlichter, je lieber, je schöner; je bunter. (10)

 

Zwei blieben unerwähnt. Sie sind nicht (dauernd) zitierbar, jeder kennt ihre Worte. Sie sollen hier nur kurz vermerkt werden: Paul Gerhardt 1653 : Geh aus, mein Herz, und suche Freud...

und Joseph von Eichendorff : Es war, als hätt der Himmel die Erde still ...

 

Soviel Gesang und Dichtung aus der Vergangenheit: eine Freude, besonders im Sommer!



Zum Nachlesen, wer´s geschrieben hat:

  1. R.M.Rilke: Sommerabend

  2. Theodor Storm: Die Nachtigall

  3. Theodor Fontane

  4. Christian Morgenstern

  5. Hoffmann von Fallersleben

  6. Wilhelm Busch

  7. Johann Wolfgang von Goethe

  8. Wilhelm Busch

  9. Theodor Storm

  10. Christine Busta